Bericht der Sächsischen Zeitung vom 29.10.2007

Montag, 29.10.2007

Exoten locken in die Waldstraßensporthalle

Radeberg. Die Schau des Radeberger Vogelzüchter-Vereins begeistert die zahlreichen Besucher.

Von Bernd Goldammer

Eindrucksvolle Minuten im Streichelkäfig: Mirjam versucht einen Graupapagei zu locken. Doch der posiert für die Presse. Foto: Bernd Goldammer

Timo Reinhold ist fasziniert. „Ungglaublich“, sagt er, als er die alte Sporthalle an der Waldstraße betritt. Je nach Stimmlage zwitschern oder krächzten hier weit über einhundert Vögel mit buntschillerndem Gefieder. Fasane, Finken, Papageien, japanische Mövchen sogar. Der Radeberger Kanarien- und Vogelzüchter-Verein hat mit seinem offenen Züchter-Wettbewerb außergewöhnlich schöne Vögel ausgestellt. Und der Erlebniswert für die 5-jährigen Geschwister Mirjam und Lucas aus Idar-Oberstein zum Beispiel wurde sogar noch gesteigert: Monika Wagner aus Dresden veranstaltete einen„Tag des offenen Käfigs“. Ihre Zwergaras, Kakadus, Nymphensittiche und Wellensittiche haben eine ganz besondere Geschichte. Nach züchterischen Gesichtspunkten wäre ihr Ende gleich nach dem Schlüpfen gekommen. Denn die meisten haben Missbildungen. Sie hat alle großgezogen, einzige Bedingung: sie müssen gut miteinander auskommen. Als sie begann, hielten es viele ihrer Züchterkollegen für ein aussichtsloses Unterfangen. Die Stärkeren werden die Schwächeren verdrängen, lautete die Prognose. Das hat sie eher noch angestachelt. Wie jeder sehen konnte, hat sie Recht behalten. Multikulti, bei ihr funktioniert das schon lange. Auch wenn ihren gefiederten Freunden die Missbildungen zu schaffen machen, sie liebt jeden nur dafür, dass er da ist. Ihre Freude gibt sie weiter.

 

Zwei Türen bilden eine Schleuse, durch die die Kinder in ihr Vogelparadies eintreten können. Und wer den Kleinen und Großen zuschaut, spürt, welch’ tolle Erlebnisse sie hier haben. Erstaunlich zutrauliche Exoten landen auf ihren Händen, Köpfen und Armen. Für die Lust am Züchten könnte es in diesen Minuten ein Schlüsselerlebnis geben. „Wir würden uns freuen, wenn wieder mehr Kinder und Jugendliche Freude an unserem Hobby finden“, verdeutlicht Gerhard Wuttke. Mit seinen Reis-Amadinen hat er einen Siegerplatz erreicht. Man spürt: Der Mann ist stolz. Denn diese Finkenart ist nicht leicht zu züchten. „Ich habe als Jugendlicher mit einheimischen Vögeln angefangen.“ Kurt Bähnsch, der Mann an der Kasse, kann diese Leidenschaft nachvollziehen. Sein Zuchtgebiet sind Agaporniden: Rosenköpfchen, Schwarzköpfchen. Auch seine Vögel sind ist preisgekrönt. Bernd Büttner erreichte das gleich drei Mal. Seine Nymphensittiche, Grassittiche und Halsbandsittiche überzeugten den Zuchtrichter. „Wenn ich mal Zeit habe, fange ich mit Züchten an“, lacht Timo Reinhold als er die Halle wieder verlässt.